Das Asklepieion von Kos

Die bedeutendste archäologische Stätte der Insel ist das einst Äskulap, dem Gott der Heilkunst, geweihte Asklepieion (Asklipíio). Es war eine Art Kurort und Krankenhaus, zu dem fast 800 Jahre lang Menschen aus dem gesamten östlichen Mittelmeerraum kamen, um Heilung von Krankheiten und Gebrechen zu finden. Kos war ja seit dem berühmten Hippokrates, dessen Eid noch heute viele Ärzte ableisten, Sitz einer angesehenen Ärzteschule. Hier war geballtes Fachwissen zu finden - und zudem die Gunst der Heilgottheiten, ohne deren Hilfe eine Gesundung trotz aller ärztlichen Künste nicht möglich war. Gut zahlende Patienten konnten im Heiligtum selbst in steinernen Krankenräumen wohnen, andere schliefen wohl in einfachen Hütten in der Umgebung.

Antike Säulen im Asklepieion
Erhaltene Säulen im Asklepieion auf Kos deuten auf den alten Tempel hin

Zu Beginn aller Konsultationen standen Tieropfer vor dem Tempel des Äskulap. Wohlhabende ließen Stiere oder zumindest Schafe und Lämmer schlachten, Ärmere brachten dem Gott Hühner dar. Nur ein Teil des Fleischs kam in Form von Brandopfern den Göttern dar, den Rest verzehrten die Pilger selbst und vor allem die Priester und Angestellten des Heiligtums. Bevor der Arzt dann seine Diagnose wagte, musste jeder Pilger eine oder mehrere Nächte in der Heilschlafhalle verbringen. Dort wartete er aufgeregt und vielleicht auch durch Rauschmittel stimuliert auf einen Traum, in dem ihm möglichst der Heilgott selbst erscheinen sollte. Die Träume wurden dann den Ärzten, die oft zugleich Priester waren, erzählt. Ob sie deren Inhalte tatsächlich in ihre Diagnose einbezogen, ist fraglich: Auf jeden Fall förderte ihre Interpretation der Träume aber den Glauben der Patienten in ihre Diagnose und ihre Therapievorschläge. Psychosomatisch war die Vorgehensweise perfekt!
Wesentliche Teile der Therapie waren Kräuterrezepturen, Bäder und vor allem Ratschläge für ein gesünderes Leben. Viele Ärzte führten aber auch mit einfachsten Mitteln Operationen durch - bis hin zu Schädeloperationen. Über die Sterblichkeitsquote ist nichts bekannt. Klappte etwas nicht, konnte man das ja auch gut auf den Willen des Gottes zurückführen.

Geschichte des Asklepieions

Als Hippokrates auf Kos seine Ärzteschule im späten 5. Jh. v.Chr. begründete, stand an der Stelle des Asklepieion wohl nur ein Tempel für Apollon, den obersten Gott der Heilkunst. Erst nach dem Tod des Hippokrates 377 v.Chr. legte man vor ihm einen einfachen Altar an, auf dem dem sekundären Heilgott Asklípios, den die Römer später Äskulap nannten, Opfer dargebracht wurden. Erst mit dem sich verbreitenden guten Ruf der Insel als medizinisches Zentrum begann der Ausbau des Asklepieions. Nun wurde ein erster marmorner Tempel errichtet, der alte Altar wurde durch einen schöneren aus Marmor ersetzt, dessen Dach zierliche Säulen trugen. Unterhalb des Tempels legte man eine Terrasse mit einem Torbau und Säulengängen an, von der aus eine Freitreppe zum Tempel führte. Ein Jahrhundert später entstand auch die dritte, oberste Terrasse, auf der nun ein großer Tempel im dorischen Baustil errichtet wurde. Jetzt erhielt das Heiligtum seinen hellenistischen Schau-Charakter: aus einer einfachen Kultstätte mit überwiegend religiösen Funktionen wurde eine repräsentative Anlage, geplant fürs menschliche Auge und ganz auf die Wirkung beim Betrachter angelegt. In römischer Zeit wurde dieser dann durch den Anbau rein funktionaler Gebäude wie z.B. einem großen Thermalbad wieder etwas von ihrer Klarheit genommen.

Rundgang durch das Asklepieion

Die unterste Terrasse im Asklepieion
Die unterste Terrasse des Asklepieion mit Wandelhallen. Eine Treppe führt zu den Tempeln und Altar hinauf.

Eine erste Freitreppe des Asklepieions führt durch den Torbau, das Propylon, auf die einst von Wandelhallen umschlossene untere Terrasse hinauf. Sie erfüllte noch ganz weltliche Bedürfnisse. In den Wandelhallen konnte man flanieren; hier gab es 26 Zimmer für besondere Gäste und eine Reihe von Geschäften, die wohl mit Devotionalien handelten, die der Patient für verschiedene Zeremonien brauchte. Aus einem Brunnen floss heilkräftiges Mineralwasser für Trinkkuren. Eine breitere Treppe führt auf die mittlere Terrasse mit zwei kleinen Tempeln und dem Altar des Asklípios hinauf, auf dem dem Gott die Tieropfer dargebracht wurden. Hier wurden auch die wertvolleren Weihe- und Opfergaben der Patienten sowie der im Laufe der Jahrhunderte immer stärker anwachsende Schatz des Heiligtums aufbewahrt. Von der zweiten führt eine zweiteilige Freitreppe hinauf auf die oberste Terrasse und direkt auf die Mittelachse des großen Apollo-Tempels zu, der auf drei Seiten in gebührendem Abstand von Säulenhallen mit insgesamt 73 Säulen umschlossen war. Darin legten sich die Patienten zum Heilschlaf nieder, in dem ihnen der Gott erscheinen und Anweisungen geben sollte. Der Tempel selbst war ein dorischer Ringhallentempel mit insgesamt 30 Säulen. Wo sie standen, ist noch deutlich an den Basen zu erkennen. In frühchristlicher Zeit wurde der Tempel als Kirche benutzt. Davon zeugt ein improvisierter Altar: Auf einen Säulenstumpf wurde ein antikes Kapitell gehievt, darauf eine antike Steinplatte gehievt. Ins heidnische Kapitell meißelte man die vier Buchstaben IC XC ein, die Initialen Jesu Christi. Heute werden hier die meisten Selfies geschossen.

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