Westliche Ausgrabungen in Kos-Stadt

Das ist einfach nur herrlich: In den Westlichen Ausgrabungen kann man sich bei Tag völlig frei bewegen; kein Wärter pfeift einen zurück. Da kann man auch gut ein schönes Stündchen beim Ausruhen in Gesellschaft antiker Säulen und sogar Helden verbringen.

Eine Hälfte des Ausgrabungsgeländes liegt meerseitig unterhalb der Hauptstraße Grigoríou E' etwa zwischen Casa Romana und Odeon. Betritt man die Westlichen Ausgrabungen von der Casa Romana her, sieht man sogleich einige moderne, kleine Schutzdächer. Darunter liegen drei römische Bodenmosaike. Eins zeigt kämpfende Gladiatoren, die so berühmt waren, dass sie sogar namentlich benannt sind: Aigialos, Zephyros und Ylas. Gladiatoren wie sie waren häufig Berufskämpfer, die sich freiwillig güt diesen lebensgefährlichen Broterwerb entschieden hatten. Häufig waren es aber auch Kriegsgefangene, Sklaven oder zum Kämpfen begnadigte Verbrecher. Wer häufig siegte, konnte so populär wie heute ein Fußballstar werden. Die Kämpfe gingen immer auf Leben und Tod; Verwundete konnten um Gnade bitten, hatten aber keinen Anspruch darauf. Das rechte Gladiatorenpaar Zephyros und Ylas zeigt, dass die Bewaffnung höchst unterschiedlich sein konnte: Zephyros kämpft halbnackt mit Dreizack und Kurzschwert, während der nur mit einem Kurzschwert bewaffnete Ylas Rüstung, Helm und Schild trägt.

Mosaik mit Jäger und Eber in den Westlichen Ausgrabungen
Mosaik mit Jäger und Eber in den Westlichen Ausgrabungen

Das zweite Mosaik zeigt einen Jäger, der gerade mit seinem Speer einen Eber erlegt. Das dritte illustriert die Entführung der phönizischen Königstochter Europa durch den griechischen Göttervater Zeus, der sich in listenreich in einen Stier verwandelt hat. Ein Knabe mit Fackel - offenbar Eros - führt den Stier. Ein Delfin begleitet das Paar von Palästina an die Küste Kretas, wo Zeus mit Europa den mythischen kretischen König Minos zeugen wird.

Von den Mosaiken aus dem 3. Jh. führt eine noch gut erkennbare, ursprünglich von Säulenhallen gesäumte antike Straße nach Westen. Die Archäologen haben sie »Decumana« genannt. An ihrem Ende macht das Grabungsgelände einen rechtwinkligen Knick Richtung Meer. Auch dieses Gelände kann man auf einer antiken Straße durchqueren, der »Via Cardo«: Sie besaß sogar Bürgersteige!

Säulen an der Via Cardo in den Westlichen Ausgrabungen
Säulen an der Via Cardo in den Westlichen Ausgrabungen in Kos-Stadt

Links dieser Straße standen die römischen Westthermen, von denen Mauerreste in beachtlicher Höhe sowie ein Gewölbebogen erhalten sind. In frühchristlicher Zeit (4.-7. Jh.) errichtete man über ihren Ruinen eine Basilika, deren Taufbecken erhalten blieb. Westlich der Thermen schloss sich eine langgestreckte Säulenhalle an. Von ihren einst 81 Säulen haben die Archäologen 17 wieder aufgerichtet. Sie war Teil einer Palästra, also einer Übungsstätte für Athleten. Hier konnten sie im Schatten für Wettläufe und Ringkämpfe trainieren.

Am meerseitigen Ende der Westlichen Ausgrabungen wartet noch einmal ein schönes Mosaik auf den Zeiteisenden. Sein Thema ist das »Urteil des Páris«: Als sich einmal wieder alle griechischen Götter zu einem Festgelage auf dem Olymp trafen, war die Göttin der Zwietracht, Eris, einen goldenen Apfel auf die Tafel. Darauf stand »Der Schönsten«. Mehrere Göttinnen stritten sich nun um ihn. Der bildhübsche trojanische Prinz Páris sollte das Urteil fällen. Um ihn zu bestechen, versprach ihm Zeus Gattin Hera viel Macht. Athene lockte mit soldatischem Ruhm. Aphrodite versprach ihm die schönste Frau auf Erden. Klar, dass sich Paris für Aphrodite entschied. Die half ihm daraufhin, die schöne Helena vom Peloponnes nach Troja zu entführen - Ursache für den Trojanischen Krieg.

Im Nymphäon in den Westlichen Ausgrabungen
Innenhof des Nymphäons in den Westlichen Ausgrabungen

Man verlässt das Gelände der Westlichen Ausgrabungen dann beim Nymphäon, einem aufwendig restaurierten Bau aus dem 3. Jh. v.Chr. Durch eine Öffnung in der Außenmauer kann man einen Blick in den fast maurisch anmutenden, auf drei Seiten von Säulen umstandenen Innenhof werfen. Die vierte Seite wird von einer Mauer mit drei Nischen gebildet, vor denen Wasser in drei Becken sprudelte. Der Boden des Atriumhofes ist mit farbigen Mosaiken ausgelegt. Neben geometrischen Motiven zeigen sie auch Delfine.

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